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Date-my-Schildkröt.de

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Eine viel effektivere Art, Anschluss zu finden, ist die Anschaffung eines Haustieres. Bei der Wahl der Tierart sollte man allerdings einige Regeln beachten: Eine Schildkröte beispielweise erhöht den Flirtfaktor nur mäßig. Außer man wohnt im Terrarium oder wirft das Tier vor den Augen eines potentiellen Kandidaten in die Isar (Können Sie mir bitte helfen, ich dachte, ALLE Schildkröten können schwimmen?! *blödschau*). Hält man sie jedoch zuhause, sind die Chancen auf den Traumpartner gering – es sei denn, der Klempner hat neben der Schwäche für undichte Rohre eine für verschnarchte Reptilien.

Hunde hingegen scheinen die Attraktivität ihres Besitzers ins Unermessliche zu steigern. Was sich mir beim Anblick so mancher Kreatur jedoch nicht so ganz erschließen mag.

Es gibt drei Kategorien von Hunden: Hund-Hunde, Zitter-Hunde und Teppichratten. Zur Kategorie „Hund-Hunde” zählen die, die auch als solche zu erkennen sind: Schäferhunde, Huskys, Setter und irische Wolfshunde beispielsweise (wobei mir ein Rätsel ist, wie man ein Tier mit der Größe einer Schrankwand in einer Großstadtwohnung unterbringt – zumindest scheint er die Anschaffung eines SUVs zu rechtfertigen, den man in der Stadt ansonsten genau so dringend braucht wie einen irischen Wolfshund). Diese Kategorie Hund gehört allerdings meist zu Menschen, die neben Hund und Cayenne auch eine glückliche Beziehung, drei reizende Kinder mit tollen Noten und ein hübsches Haus in Harlaching besitzen.

Bleiben noch die handtuchartigen Zitter-Hunde und die Teppichratten. Bei Windhunden z.B. handelt es sich um Zitter-Hunde. Sie bestehen aus selten behaarter Haut und Knochen, halten Eichhörnchen für lebensbedrohlich und drücken sich schwanzeinklemmend und – eben – zitternd an den Besitzer, sobald der Wind leise ein Blatt vom Baum weht. Diese Tieren möchte man ein Chappi-Zwangsabo schenken oder eine Nacht mit Lassie. Die Besitzer scheinen zumeist geistig der Welt entrückt, umarmen in ihrer Freizeit Bäume und wiegen höchstens drei Kilo mehr als ihr Hund. Wer will schon mit jemanden am Frühstückstisch sitzen, dessen geistiges Fassungsvermögen kaum größer ist als der Magen seines Haustiers?

Bleiben also die Teppichratten, wie der Chihuahua (klingt wie Banane und hat auch deren Größe) und all seine mikroskopisch kleinen Freunde mit zumeist unaussprechlich chinesischen Namen. Beim Gassigehen erleidet der Kleinsthund bereits nach drei Menschenschritten (= 1.347.987 Chihuahua-Schritten) einen Herzinfarkt, falls er diesem nicht schon beim Anblick Paris Hiltons erlag. Susi, Daisy, Popo und Pipi werden im Designer-Labor zusammengebastelt, mit albernen Schleifen garniert und in der farblich passenden Krokotasche angeliefert. Und immer dann von F-Promis gekauft, wenn die Putzfrau das Vorgängermodell aus Unachtsamkeit einsaugte. Dabei ist die Teppichratte vor allem eins: laut. Und hässlich. Und doof. Auch, wenn sie nichts dafür kann.

In Anbetracht dieser Auswahl empfehle ich allen einsamen Herzen dann doch eher die Schildkröte und das Warten auf den Klempner.

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