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Archive for Februar 2010

Neuerdings macht man ja nicht mehr einfach nur Sport. Sondern Body Forming, Pilates, Step & Tone and Tae Bo.

Früher – wir hatten ja nichts 🙂 – als man Healthy Back noch Rückenschule nannte, da war Sport ehrlich. Kernig. Anstrengend.
Und hieß auch so: Zirkeltraining, Geräteturnen, Brennball. Das klang zackig, hart, entbehrlich – und aua. Eineinhalb Stunden Qual in stickiger Turnhalle mit Hans-Günter vom TSV. Leiernde Popmusik von Cassette. Blaue Flecken vom Sturz von der Sprossenwand, der Spott der anderen nach dem misslungenen Felgaufschwung. Gekrönt von chlorroten Augen und dem Fußpilz nach einer Stunde Hallenbad.
Kommandos wie „Schneller, Du faule Sau” ließen keinen Interpretationsspielraum. Und Aerobic mit Jane Fonda war schon das Exotischste, was der Turnunterricht zu bieten hatte.

Auch Geschlechter waren noch klar erkennbar: Rhythmische Sportgymnastik war für Mädchen, Gewichtheben untrennbar mit den tiefer gelegten Jungs im Gewerbegebiet verbunden. Und Tennis spielten die Schnösel. Vorurteile waren total einfach.

Today verschmelzen ehemals sportliche Randgruppen zu einem einzigen Fitness Movement – Detlef D Soost, angeblich ja männlich, darf in sinnfreien Fernsehsendungen mädchenhaft zappeln. Und weinen. Und beides gleichzeitig. Und keiner stoppt ihn.
Sport, der deutsch heißt, is so NOT im Trend. No Body ohne Soul, no Stretch ohne Relax, no Move ohne Cardio.
(Und kein Mann mehr ohne rasierte Beine – und Achseln. Nur noch eine Frage der Zeit, bis der Lockenstab den Schaltknüppel ersetzt.)

Nehmen wir zum Beispiel Indoor Cycling – allein der Begriff ein Widerspruch an sich, wenn man ihn denn versteht.
Fahrradfahren wurde nämlich einzig und allein erfunden, um rechtzeitig zum Unterricht zu kommen, wenn man mal wieder den Schulbus verpasst hat.
(Man bewegte sich folglich DRAUSSEN und von realem Wetter umgeben – in meinem Fall 5 km von Anning nach St. Georgen, fluchend und schwitzend).
Nicht, um eineinhalb Stunden in einer unbelüfteten Dunkelkammer keinen einzigen Meter vorwärts zukommen … und statt in Anbetracht der Schönheit der Natur ein Liedlein zu pfeifen, glotzt man auf den beängstigend nahen, funktionellen Hintern des Vordermannes und hört dabei schlechten Techno.
Wenn man wenigstens den dabei theoretisch entstehenden Strom nutzen könnte oder ehemalige Straftäter durch Gruppendynamik resozialisieren – aber so?

Und hey, ganz wichtig – MAN MACHT NUN YOGA. Sogar echte Kerle. Selbst diejenigen, die Jivamukti und Ayurveda bisher für Geschwister von Bruce Lee hielten, federn – bisher ehrlichen Männersportarten zugewandt – after work mit mintfarbener Matte und entrücktem Lächeln ins stylische Yogaloft. Gönnen der inneren Balance noch einen links drehenden Weizengrasdrink, bevor sie mit zwanzig anderen in einem überfüllten Zimmer den Schiefen Hund machen.
Auch ich habe es versucht. Ich war guter Dinge und grüßte die Sonne. Jede Zelle meines Körpers war glücklich. Als ich bei der aufsteigenden Kobra statt eines Lächelns jedoch einen mir fremden Fuß im Gesicht spürte, kam mein Chakra bedenklich ins Wanken. Beim Kamel verlor ich schließlich komplett das Gleichgewicht und begrub meine (unvermeidlich rothaarige) Yogalehrerin unter mir, wodurch der Begriff Dead Body Pose eine völlig neue Bedeutung bekam. Da wurde ich wütend auf den Hare Krishna und ganz Indien, schleuderte meinen Eiweißdrink in die Ecke und überließ meine debil grinsenden Mitkrieger ihrem seeligen Schicksal.

Ich habe mich beruhigt. Und mache jetzt wieder Trimm Trab und gehe ins Hallenbad – Schwimmen (das ist so eine Wasser-Sportart von früher, die heutzutage nur noch wenige, meist Rentner, beherrschen).
Und beobachte dabei völlig genervte Viertklässler beim Brustschwimmen. Und am Beckenrand die Glückliche, deren Onkel Arzt ist.
Und bin froh, dass manche Dinge sich nie ändern.

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