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Archive for Dezember 2009

Ich finde Schwimmen dufte. Gerne beginne ich meinen Sommertag mit dem Sprung ins kühle Nass des Freibads.

Pünktlich zur Öffnung um 9 Uhr versammele ich mich vor dem Eingang – zusammen mit circa 10 zähen Frühschwimmern, die meisten jenseits der 70. Ein Phänomen. Was treibt einen Pensionär frühmorgens aus dem Haus, wo doch um die Zeit seniorengerechte Heizdeckenverkaufsshows im TV laufen und er doch den ganzen restlichen Tag Zeit für Freizeitaktivitäten hat? Eine Frage, die ich mir um diese Zeit auch gerne im Tengelmann stelle, wo ich – (natürlich) hektisch, weil mega-gestresst, weil oberwichtig – durch die Gänge irre, vor dem Brotregal über einen Gehwagen stolpere, mich an der dazugehörigen älteren Dame festkralle und mit ebendieser im Kleingebäck lande. Nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen Rentner, ich bin ja sogar mit einigen verwandt.

Zurück zum Schwimmen. Ich stülpe die Latex-Mütze über den Kopf, wobei ich mir die Hälfte meiner Haare ausreiße, setze die quietschgrüne Plastikbrille auf und pfrimle die Silikonstöpsel ins Ohr = ich sehe Scheiße aus, aber zweckmäßig.

Ich begebe mich nun im Schwimmerbecken. Ich betone: SCHWIMMERbecken. Nicht Wir-drei-haben-uns-seit-gestern-nicht-gesehen-und-uns-viel-zu-erzählen-und-müssen-daher-nebeneinander-drei-Bahnen-blockieren-Becken. Ich will SCHWIMMEN. Nicht Wasser-Hürden-laufen.

Das erste Hindernis – eine barbusige Rückenschwimmerin, die orientierungslos quer durchs Chlorwasser dümpelt, umschiffe ich elegant, um kurz darauf eine Dreierkette schnatternder Badehaubitzen zu rammen, die plötzlich wie aus dem Nichts auftaucht. Normalerweise haben ja diese lustig bunten Haubenbojen den praktischen Nebeneffekt, die Orientierung im bevölkerten Becken enorm zu erleichtern. Nicht so in diesem Fall: zu spät, um auszuweichen, entscheide ich mich für den Weg ab durch die Mitte. Weder ersäufe ich eine der Damen, noch bringe ich deren Dauerwelle unter dem Gummihut in Gefahr – und doch vernehme ich (trotz Stöpsel) ohrenbetäubendes Gekeife, das ich zunächst ignoriere.

Kurz nach der Wende blicke ich jedoch dem Grauen direkt ins verknitterte Antlitz. Das kreischende Trio legt mir lautstark das Erlernen einer weniger störenden Schwimmart nahe. Ich berufe mich auf das 1980 erworbene Seepferdchen und während ich ungerührt an ihnen vorbeiziehe, misslingt mir doch glatt ein Beinschlag und endet in einem enormen Platscher, der jede Arschbombe in den Schatten stellt. Wieder entsteht Tumult.

Ich wechsele die Bahn, nicht ohne den Damen vorher mitgeteilt zu haben, dass das Betreten eines Schwimmbeckens Durchnässung zur Folge haben und auch Seniorenturnen viel Freude machen kann. Hoffentlich werde ich selbst mit Milde reagieren, wenn ich mit 70 von rücksichtslosen Rüpelschwimmern angerempelt werde. Ich fürchte nicht 🙂

Auf der neuen Bahn erwartet mich das nächste Phänomen der Unterwasserwelt: der Tauchspanner.

Ausgestattet mit extra großer Schwimmbrille und ebensolchen Augen taucht er aufmerksam und staunend durchs Becken. Ganz so, als wäre es die Sendung mit der Maus, in der erklärt wird, dass Frauen Brüste haben.

Wie ein Delfin begleitet er zumeist junge attraktive Schwimmerinnen auf ihren Bahnen – und möchte nur spielen. Und wie einen Delfin möchte man diesen an der Schwanzflosse packen und … nun ja, lassen wir das.

Und wenden uns einem weiteren Phänomen des sommerlichen Badevergnügens zu: dem Beckenpinkeln. In warmer Chlorbrühe lassen Kinder und andere Menschen ihren Bedürfnissen gerne freien Lauf. In Japan versucht man, dieser Plage Einhalt zu gebieten: Pinkelt der Asiate ins Wasser, färbt sich dasselbe am Tatort rot ein. Eine schöne Maßnahme, die ich das nächste Mal beim Bademeister ansprechen werde. Wer weiß, vielleicht habe ich dann künftig freie Bahn im Schwimmerbecken – der Inkontinenz sei Dank!

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